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Galerie Sonnensegel e.V. - TEXTE

Hommage für HAP Grieshaber, Pablo Neruda und Mikis Theodorakis
Ein Sachbericht

Vorab:

  • Beschreiben Sie in höchstens 5 Sätzen, was den Kern ihres Projektes ausmacht!
  • „Im Osten Deutschlands hat sich die Form einer deutschen Tradition des Bildungsbürgertums und der Klassikerpflege bewahrt, wie es sie in der strengen kanonkritischen Bundesrepublik nicht mehr oder selten gibt.“
    ( Die Zeit, Juli 2009)

So haben wir in Brandenburg an der Havel zum 100. Geburtstag des bekanntesten Holzschneiders der  Klassischen Moderne, HAP Grieshaber aus Reutlingen, ein Hommage-Projekt mit Jugendlichen zweier Schulen durchgeführt, um ihnen einen Bildungsinhalt zu vermitteln, der nationale und internationale Traditionen von kulturellem Rang in den Mittelpunkt stellte. Grieshaber hat sich mit seiner Kunst immer wieder gegen Diktaturen und für den Erhalt der Umwelt, die Kirchen nennen es Schöpfung, engagiert. Wir haben für diese Ehrung die große lateinamerikanische Dichtung des Nobelpreisträgers Pablo Neruda aus Chile –den „Canto General“  und die „Mauthausen-Kantate“ von Mikis Theodorakis in das Projekt aufgenommen. Da Grieshaber zu Lebzeiten schon andere Texte von Neruda bearbeitet hatte,  haben wir mit zwei Schülergruppen Farbholzschnitte in der Tradition des Holzschneiders zum „Canto General -  Der Große Gesang“ bearbeitet. Wegen seiner Griechenlandliebe und –nähe wurde von anderen Jugendlichen die „Mauthausen-Kantate“ von Theodorakis gesungen und tänzerisch dargestellt.

1.      Ziele und Schwerpunkte

·         Welche Zielsetzung war dem Projekt übergeordnet?

Die erste Zielsetzung der Teilhabegerechtigkeit war Motiv für die Bewerbung zu diesem Modellprojekt „Lebenskunst lernen“. Darin wollten wir exemplarisch beweisen, dass eine anspruchsvolle kulturelle Bildungsarbeit mit Schülern von Oberschulen durchaus möglich ist.

Ein zweites Ziel war die Ehrung des Holzschneiders durch Jugendliche. Uns ging es nicht um die Kunstaktie der Grieshaber-Grafiken, sondern darum, das Erbe dieses bedeutenden Künstlers wach zu halten. Deutschlandweit gab es Ausstellungen zu seinem 100.Geburtstag und eine Briefmarke der Bundespost. Wir waren die einzige Jugendkunstschule, die seinem Geist gefolgt ist. Er sagte: “Drucken ist ein Abenteuer“ und „Drucken ist stets eine junge Kunst gewesen. Lasst sie euch nicht stehlen.“ Diese historische Technik des Holzschneidens und Druckens von Bildern und Texten zu vermitteln wurde im Bereich Grafik neben der Arbeit an Inhalten als Lernziel angesehen. Andere Lernziele waren die der Einstudierung der Mauthausenkantate und das Umsetzen des Inhalts in Tanzsequenzen. Die Lehrer der Oberschulen haben zusätzlich im Unterricht das Leben und Werk der drei Künstler mit den Schülern aller Klassen erarbeitet und Gruppen zur Zeitgeschichte recherchieren lassen.

Das dritte Ziel war das der Kooperation zwischen Oberschulen und unserer Jugendkunstschule mit dem erweiterten Ziel, einen Kooperationsvertrag mit einer nachhaltigen Kulturellen Bildungsarbeit zwischen den Einrichtungen zu verstetigen. Wobei das Etikett „Kulturschule“ beiden Schulen wohl als zu verfrüht erscheint.

·         Welche Impulse haben zur Zusammenarbeit der Partner geführt?

Als wir das Projekt in den Lehrerkonferenzen beider Oberschulen vorstellten, hatten wir den Vorteil, dass eine gute Arbeit unsererseits mit vielen Schulen der Stadt Brandenburg und eine gute Öffentlichkeitsarbeit in den Jahren nach dem Mauerfall unsere „Helfer“ waren, um die Kollegien für diese anstrengende und viele LehrerInnen und Schüler fordernde Arbeit zu gewinnen. Es war bekannt, dass wir handlungs- und produktorientiert und auch mit großer Nachhaltigkeit arbeiten. Wichtig war auch von Anfang an, die Jugendlichen zu gewinnen, dieses Projekt freiwillig mitzumachen.

     . An welche Zielgruppe hat sich das Projekt gerichtet (Alter, Anzahl, sozialer Hintergrund,
         Bildungshintergrund, Geschlechterverhältnis der Jugendlichen)

Das Projekt wurde allen Schülerinnen und Schülern der 7. bis 10. Klassen vorgestellt.

Es   wurden Dokumentarfilme zu Leben und Werk Grieshabers, Nerudas und Theodorakis

gezeigt. Der Leiter der Instrumentalgruppe, ein Cellist aus dem musikalischen Umfeld von  Theodorakis, ging als Zeitzeuge in den Musikunterricht, um über das Leben des

Komponisten zu berichten. Theodorakis ist der einzige noch lebende Künstler aus

unserem Hommage-Projekt.

Danach entschieden sich etwa 50 Jugendliche, dieses Projekt mitzumachen. Bei diesen

Jugendlichen handelt es sich um Schüler von zwei Oberschulen, die im Land Brandenburg die Bildungsgänge der Haupt- und der Realschule umfassen. Besonders erwähnenswert erscheint die Tatsache, dass Schülerinnen der Oberschule Brandenburg Nord mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Lernen erfolgreich am Projekt beteiligt waren.

Ein Drittel der Mitwirkenden waren Jungs.

.Welche künstlerischen, pädagogischen und organisatorischen Schwerpunkte haben Ihr Projekt ausgemacht?

Nach dieser Einführungsphase an beiden Schulen haben wir unter den Schülern für

verschiedene Arbeitsgruppen geworben. So gab es Forschungs- und Lernfeldaufträge zur        Vita dieser drei Künstler und zur Entwicklung der Demokratie in Chile und Griechenland. Dann wurde geworben, um Jugendliche für zwei Gruppen als Zeichner, Holzschneider und Drucker zu gewinnen, um Jugendliche für den Chor gemeinsam mit Gruppen von Erwachsenen die Kantate singen zu lassen und mit Migranten, den Musiklehrern und einem Cellisten, der seit Jahren mit Theodorakis zusammenarbeitet, zum Musizieren zu gewinnen. Und es wurden Tänzer gesucht, die die Geschichte der Mauthausen-Kantate in Tanzszenen unter der Leitung einer Ballett-Tänzerin umsetzen wollten.

Dazu luden wir alle Interessierten zu einer besonderen Eröffnungsveranstaltung ein. Hier haben wir den Jugendlichen noch einmal das besondere Engagement Grieshabers am Beispiel unserer Arbeit zum 90. Geburtstag dieses Künstlers mit dem „Engel der Geschichte – ein Jugendengel“ vorgestellt. Damit sollte verdeutlicht werden, in welcher Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit wir als Jugendkunstschule gewohnt und gewillt sind zu arbeiten.

Die Künstler aus den zu gründenden Kursgruppen erzählten an diesem Eröffnungstag noch einmal ausführlich, was bei ihnen in den nächsten Monaten zu erwarten sein wird. Der Bildungsminister des Landes Brandenburg, Holger Rupprecht, eröffnete dann bei dieser Veranstaltung dieses Modellprojekt und drückte seine Bewunderung darüber aus, dass alle sich dieser großen Thematik stellen wollen.

      Die Presse hat ausführlich über diese Eröffnung berichtet.

·      Was hat Sie dazu motiviert, das Projekt mit diesen Inhalten und Methoden sowie in dieser
    Organisationsform zu planen?

Da unsere Jugendkunstschule seit Jahren mit Schulen kooperiert und im Bereich der Kulturellen Bildung arbeitet, war uns die Notwendigkeit einer solchen Arbeit sehr bewusst. So kam das Angebot der BKJ sehr gelegen, sich bundesweit zu profilieren. Es war die wunderbare Herausforderung, sich im Kanon von15 weiteren Initiativen aus der gesamten Bundesrepublik in diesem Modellprojekt zu behaupten.

Ein weiteres Motiv war zu zeigen, dass bei guten Lehr- und Lerninhalten und mit einer verlässlichen Finanzierung für professionelle Künstler auch Schüler von Oberschulen in verschiedenen Gattungen zu hohen Leistungen in der Lage sind. Da der Jugend aus der Werbewelt so viel an „perfektem adretten Nichts“ (Heinrich Böll) angeboten wird und Medien oft nur von Fehlleistungen dieser Jugend berichten, hatten wir mit unserem selbst gestellten Bildungsauftrag das Ziel, maximale Erfolge zu erreichen.

Damit sollte und soll die Arbeit der Jugendkunstschule auch die ihr gebührende Aufmerksam-keit erhalten und gezeigt werden, welch ein Beitrag in diesen Einrichtungen für die Gestaltung eines sinnvollen und selbst bestimmten Lebens mit den Mitteln und Methoden der Kulturellen Bildung möglich ist.

Das Motto: Lebenskunst lernen hat uns überzeugt und hat uns  Jugendliche gewinnen lassen, nach Abschluss des Projekts weiter in unserer Einrichtung zu arbeiten.

Die Schulen haben ebenfalls signalisiert, dass wir feste Kooperationsverträge schließen werden.

2. Aktivitäten (Umsetzung)

·         Wie war das Management des Projektes organisiert?

Bereich Grafik

Nachdem wir zwei Honorarkünstler für den Bereich Grafik/ Farbholzschnitt gewonnen hatten, wurde das Epos zum „Canto General“ in deutscher und spanischer Sprache gekauft und den

Künstlern zum Lesen gegeben. Diese stellten ihren Gruppen das Werk vor und

entschieden sich gemeinsam, bestimmte ausgewählte historische Ereignisse und auch Stimmungen von den Jugendlichen in Zeichnungen umsetzen zu lassen. So entstanden über Monate hinweg zeichnerische Ideen für die Holzschnitte.

Auf dem Baumarkt wurde dann nach Holzplatten gesucht, um die Entwürfe darauf zu übertragen. Dann wurden monatelang mit Holzschneidewerkzeugen die Bilder geschnitten. Alles, was nicht drucken sollte, wurde mit Messern aus den Platten herausgeholt. Dann lernten die Schüler, wie man den Druck von bis zu drei Platten plant und durchführt. So entstanden Unterdrucke mit Formen, die mit der Stichsäge vorher ausgeschnitten worden waren. Ebenso aufwändig war das Abreiben dieser Druckformen und Platten mit Löffeln.

Die andere Grafikgruppe arbeitete kleinteiliger, druckte aber viele Motive zusammen auf lange Bögen von Japanpapier. Beide Gruppen trafen sich wöchentlich und an Projekttagen der Schule täglich. Kurz vor der Präsentation wurde an mehreren Tagen bis abends gearbeitet.

Bereich Tanz

Die Tänzer bekamen eine CD zur Mauthausen-Kantate, um sich in die Musik und in den Sachverhalt, dass ein KZ-Insasse seine Liebste sucht etc., hineinzuversetzen. Dann wurde nach Ausdrucksformen gesucht, um das Leid, die Sehnsucht und andere Geschehnisse und auch Emotionen tänzerisch umzusetzen.

Für die Gruppe der Sänger und der Instrumentalisten besorgte der Cellist den Text und die Noten, die nun umgeschrieben werden mussten, um sie für Cello, Klavier, E-Gitarre, Akkordeon, Flöte und Percussion zur Verfügung zu haben. Dies war sehr arbeitsintensiv und konnte nur von einem Fachmann geleistet werden. Wegen der fehlenden Männerstimmen und zur Verstärkung des Soprans wurde generationsübergreifend gearbeitet; es wurden Stimmen aus anderen Chören der Stadt dazu geholt.

Historiker

An beiden Schulen arbeiteten Lehrerinnen mit Schülergruppen daran, sich das Leben der Künstler in den unterschiedlichen Ländern per Internetrecherche, Biografien und Kunst-Bildbänden und mittels der von der Galerie besorgten Dokumentarfilme zu erschließen. Dies wurde dann auch im Unterricht Lehrgegenstand und die Ergebnisse wurden in der Präsentation am Ende des Projekts per PC/ Powerpoint und in Form von Posterreihen und Büchern ausgestellt.

·         Wer war an der Umsetzung beteiligt (Personen, Professionen, Institutionen)?

In diesem Projekt arbeiteten zwei Grafiker und zwei die Gruppen begleitende Lehrerinnen, eine Ballett-Tänzerin, der Chorleiter, acht Instrumentalisten, Lehrer in den Forschungsgruppen, zwei Dokumentaristen mit ihren Fotoapparaten und ein Kulturpädagoge, der für den Kompetenznachweis Kultur ausgebildet war, mit. Geleitet wurde das Projekt von der Galerie Sonnensegel. Die Oberschulen Brandenburg Nord und „Otto Tschirch“ waren die beteiligten Schulen.

·         Wie waren die Zuständigkeiten zwischen Kultur- und Schulpartnern verteilt?

Die Schule stellte jede Woche je eine Kunsterzieherin zur Verfügung, die die Schüler jeweils in die Jugendkunstschule begleitete und die auch halfen, das Projekt voran zu bringen.

Die Schulleitungen halfen organisatorisch und finanziell, um die Projekttage zu ermöglichen,

um eine Voraufführung zu den Landeskunstschultagen mit zu organisieren, um die Haupt- und die Generalprobe zum Erfolg zu bringen und um die Abschlusspräsentation im Paulikloster zu organisieren. Der Kulturpartner Galerie „Sonnensegel“ leitete die Gesamtplanung, lud zu Besprechungen aller ein, um Probleme zu klären. Die Galerie und die Schulen besorgten auch zusätzliche Gelder, um u.a. die Kosten für den Auftrittsort finanziert zu bekommen und kümmerten sich um die Öffentlichkeitsarbeit.

In der Galerie wurden die grafischen Arbeiten unter der Leitung von zwei Künstlern hergestellt.

Die Chor-, Instrumental- und Tanzproben fanden jeweils in den Schulen statt.

Die Forschungsprojekte wurden von Lehrerinnen der Schulen geleitet.

·      Wie haben Sie die künstlerischen, pädagogischen und organisatorischen Schwerpunkte
   umgesetzt?

      Nach der gemeinsamen Gesamtplanung mit beiden Schulen und den Künstlern wurde nun

      wöchentlich gearbeitet. Um das gestellte Ziel zu erreichen, mussten die Grafiker in den

      letzten Wochen mehrmals in der Woche in die Kunstschule kommen.

Die Tänzer haben nach ihrem ersten Auftritt zu den Landeskunstschultagen gemerkt, dass zum Ausdruckstanz ernsthafter gearbeitet werden muss. Hier ergab sich der Effekt der Motivierung durch eine  erste Publikumserfahrung.

Die Sängerinnen und Sänger haben durch die Unterstützung aus den zwei Erwachsenen-chören ein Gespür für Qualität und Verantwortung entwickelt. Durch den Auftritt zu den Landeskunstschultagen und das Lob aus der Öffentlichkeit ergab sich für die Jugendlichen eine Motivierung für das Durchhalten über einen so langen Zeitraum.

Die Arbeitsgruppen der Historiker trafen sich regelmäßig in den Schulen, um das Leben der drei Künstler allen Mitschülern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

·         Welche künstlerischen und kulturpädagogischen Methoden haben Anwendung gefunden?

Bei den Chorproben wurden die Jugendlichen in die Stimmbildung eingeführt und haben Lockerungsübungen erlernt, um den Text gut verstehbar auszusprechen

Die Tänzer lernten, nicht aus ihrer Rolle heraus zu fallen und bei der Sache zu bleiben.

Die Holzschneider haben gelernt, planvoll und ausdauernd eine Arbeit zu verfolgen.

Auch das Arbeiten in der Gruppe, Einordnung in die Gruppe, Aufgreifen von Ideen einzelner Mitglieder, Diskussion und Umsetzung dieser, Verantwortung füreinander waren wichtige Erfahrungsfelder in der kulturpädagogischen Arbeit.

Die Mitglieder der Forschungsgruppen lernten, die Arbeit mit Medien und der Literatur zielstrebig zu verfolgen.

·         Wurden formaler Unterricht und kulturelles Angebot in Beziehung gesetzt? Wenn ja, wie?

Jugendliche äußerten besonders in den Projektgruppen der Grafiker und Tänzer immer wieder, dass sie in diesen Monaten sehr viel gelernt hätten und dass dieses Lernen sogar Spaß gemacht habe. Der Kompetenznachweis Kultur ist Beleg für gelernte Lebenskunst, die die Schüler auch motivierte, engagierter andere schulische Aufgaben zu erfüllen.

Bei der Erarbeitung der Lebensläufe der Künstler wurden Rahmenlehrplaninhalte des Geschichts-, Kunst-, Musik- und Politikunterrichtes tangiert.

·         Welche Formen der Öffentlichkeit wurden genutzt bzw. hergestellt?

Hier gab es drei besondere Anlässe, um die Öffentlichkeit zu informieren und um den Akteuren den Rang ihrer Arbeit zu verdeutlichen. Dies waren die Eröffnung des Projekts mit dem Bildungsminister Rupprecht, dann der erste Auftritt von Chor, Instrumentalisten und Tänzern zum Landeskunstschultag des Landes Brandenburg und als Höhepunkt die Gesamtpräsentation am 25. Juni 2009 im Paulikloster der Stadt Brandenburg.

Die Märkische Allgemeine und das Brandenburger Wochenplatt berichteten mehrfach und der lokale Fernsehsender bracht drei Beiträge zu diesem Projekt. Zur Präsentation kamen die Eltern, die Kollegien, Vertreter der Botschaft Chiles, der Bildungsminister, das Staatliche Schulamt und weitere Gäste. Der Botschafter Griechenlands ließ eine Grußbotschaft verlesen.

  1. Erfahrungen und Ergebnisse

 

Welche Erfahrungen haben Sie bezüglich Ihrer Zusammenarbeit gemacht?

Die Haupterfahrung war die der partnerschaftlichen guten Zusammenarbeit zwischen den Schulen, den Künstlern und der Jugendkunstschule Galerie „Sonnensegel“ e.V. Alle anstehenden Probleme wurden immer gemeinsam bewältigt. Dabei waren die Schulleiter beider Schulen die wichtigsten Partner, denen es gelang, engagierte Lehrerinnen und Lehrer zur Mitarbeit in diesem Projekt zu gewinnen.

Welchen künstlerischen Output hatte das Projekt (Ausstellung, Aufführung etc.)?

Es gab eine Voraufführung zu den Landeskunstschultagen und den Auftritt mit dem Gesamtwerk am Schluss.

Dazu wurden auch alle Farbholzschnitte beider Gruppen und Texte präsentiert. Beide Schulen hatten dann zusätzlich Info-Tische zu Ihrer Forschungsarbeit aufgebaut und zeigten Filmeinspielungen über die Arbeit an den Schulen.

Die Grafiken wurden am Tag der Präsentation im Kloster gezeigt und von den Gästen der Botschaft Chiles und anderen sehr gelobt. Der Kulturattaché der Botschaft Chiles wird die Arbeiten der Jugendlichen in der Botschaft in Berlin und zum Nationalfeiertag zeigen.

Die Mauthausenkantate wurde an diesem Tag in ihrer Gesamtheit – mit Chor, Instrumentalisten und Tänzern – der Öffentlichkeit vorgestellt.

Hier wurde der Wunsch geäußert, diese Kantate unbedingt noch einmal zur Aufführung zu bringen und alle Arbeitsergebnisse noch einmal zu zeigen.

Welche Ergebnisse und Erfahrungen verzeichnen Sie hinsichtlich der Kompetenzentwicklung der Kinder und Jugendlichen?

Von fünfzig Jugendlichen wollten sich fünf dem Verfahren für einen Kompetenznachweis stellen. Alle anderen haben durchaus auch Zuwächse in gesamtpersonalen Kompetenzen erworben. Gerade bei den Tänzern und bei den Grafikern ist es so, dass diese Gruppen

weiterarbeiten möchten. Ein Tänzer hat sich nach der Erfahrung entschieden, sich einem Casting für das Jugendtheater der Stadt zu stellen. Er wurde in die Jugendtheater-Gruppe aufgenommen. In diesem Bereich müsste im Ganztag auf alle Fälle weiter gearbeitet werden können.

Welche Rolle spielte der „Kompetenznachweis Kultur“ in Ihrem Projekt?

Es wurde alle Jugendlichen angeboten, in diesem Projekt einen Kompetenznachweis Kultur erwerben zu können. Da der Projektleiter als Fortbildungsbeauftragter zum Erwerb von Zertifikaten zur Vergabe dieser Nachweise im Land Brandenburg ausgebildet ist, war es leicht möglich, dieses Verfahren in das Modellprojekt aufzunehmen.

Zwei Mädchen und drei Jungen aus der Gruppe der Holzschneider und Drucker haben sofort ihr Interesse an diesem Verfahren bekundet. Der Leiter verpflichtete dann diese Jugendlichen, über den Projektzeitraum ein Logbuch zu führen und zu berichten, wie die einzelnen Tage verlaufen waren. Dies diente dann dem Dialog bei der Auswertung und bei der Verschriftlichung für den Kompetenznachweis, um festzustellen, welche Kompetenzen erworben und besonders gestärkt wurden.

Waren Entwicklungsschritte der Gruppe erkennbar?

Die Entwicklungsschritte waren in den Gruppen der Grafiker, der Tänzer, Sänger und Instrumentalisten und der Historiker natürlich unterschiedlich. Nachdem im Chor einige vor allem männliche Sänger unter den Schülern abgesprungen waren, hat sich der Leistungswille unter den meisten der Jugendlichen durchgesetzt und er wurde in der Presse und von allen Gästen mit langem Applaus und verbal gewürdigt.

Die Tänzer hatten zu lernen, dass dieser Ausdruckstanz etwas anders als Breakdance ist

und dass private Äußerungen nichts in einem solchen Ausdrucks-Tanz zu suchen haben. Dieses In-der-Rolle-bleiben war neben der Gesamtchoreografie ein enormes Lernstück für diese Gruppe.

Bei der Gruppe der Grafiker konnte beobachtet werden, dass anfängliche private und zum Teil Distanz geminderte Gespräche zunehmend in Fachgespräche übergingen. Die Gruppe wuchs mit ihren Aufgaben in eine Fachlichkeit hinein, die sie gesamtpersonal forderte und förderte.

Die Gruppe der Historiker arbeiteten mehr im Hintergrund. da eine solche wissenschaftliche Arbeit nicht so repräsentativ ist, mussten die Schüler oft motiviert werden. Auch sie zeigten Interesse an der Entwicklung des Gesamtprojektes. Dies zeigte sich darin, dass auch diese Schüler ihre Eltern zur Präsentation des Projekts mitgebracht hatten.

Welches Feedback haben Sie von den Jugendlichen bekommen (gerne O-Töne!)?

„Die Arbeit war sehr anstrengend und mühsam, man brauchte sehr viel Geduld.

Es hat trotz allem sehr viel Spaß gemacht.“

„Wir haben gelernt, wie man Holz schneidet und wie man druckt. Wie man richtig das Holz mit der Farbe einwalzt, wie man mit Aceton die gezeichneten und kopierten Bilder aufs Holz umkopiert.“ „Wir hätten nie gedacht, dass wir so was können!“

„Wir waren sehr aufgeregt. Haben aber den Applaus genossen. Das war für uns eine große Ehre.“ „Der Botschafter aus Chile möchte die Drucke für die Botschaft haben, das ist etwas Besonderes.“

„Wir freuen uns auf die weitere Arbeit mit den Sonnensegel-Leuten.“

Projekteinschätzung Gruppe Grieshaber/ Neruda

„Die eigentliche Arbeit war gut, in angenehmer Atmosphäre, da wir nur vier Schüler waren.

Schwierigkeiten gab es nur in der Anfangsphase, als wir noch nicht wussten, wie und wo wir beginnen sollten. Nachdem dies geklärt war, hatten wir viel zu tun.

Gelernt haben wir, uns abzustimmen und gegenseitig auszutauschen.

Wir lernten unsere Meinungen zu vertreten, im Internet dazu zu recherchieren und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Die drei wichtigen Personen Neruda, Grieshaber und Theodorakis waren auf alle Fälle für uns neu. Wir erfuhren etwas über ihre Rolle in Chile, Griechenland und Deutschland und die Verbindung, die sie zueinander hatten.

Für uns stellt sich die Frage, warum sich unsere Präsentation zu wenige angesehen haben?“

Inwiefern hat das Kulturprojekt Einfluss auf das Schulleben / die Schulkultur   genommen?

Beide Schulleiter werden weiter mit der Jugendkunstschule zusammenarbeiten. Und die Leitung der Galerie „Sonnensegel“ wird alles tun, diese Kooperation weiter mit Leben zu erfüllen.

Wie hat sich das Kulturprojekt auf die Vernetzung der Schule sowie des Kulturpartners im Sozialraum ausgewirkt?

Der Kulturpartner, Galerie Sonnensegel, arbeitet seit Jahren in diesem Feld und ist bemüht, in schwieriger werdenden Zeiten Gelder für Kooperations-Projekte zu bekommen.

  • Welche Wirkung hatte die Bildungspartnerschaft auf Ihre Wahrnehmung und Einstellung bezüglich Schule bzw. bezüglich Einrichtungen der Kulturellen Bildung?

Die Wertschätzung ist auf beiden Seiten gewachsen. Wir haben Schüler und auch Lehrerinnen, Lehrer und Schulleitungen für die Arbeit einer Bildungspartnerschaft gewonnen.

  • Inwiefern hat sich durch das Kulturprojekt Ihre professionelle Selbstwahrnehmung verändert?

Die Selbstwahrnehmung in einer Jugendkunstschule unterliegt durch den ständigen ökonomischen Druck einer permanenten Profilschärfung. Gerade durch die Veränderungen in unserer Gesellschaft und durch die Verschärfung der sozialen Situationen in den Familien, in den Kitas und Schulen steht eine Jugendkunstschule ebenfalls vor neuen Herausforde-rungen.

Uns  ist es uns auch wichtig, Traditionen des kulturellen Erbes nicht einem vermeintlichen anderen öffentlichen Interesse, das z.B. die Werbewirtschaft vorgibt, zu opfern. Wir hoffen daher, dass sich „die Gesellschaft“ mit unserer Arbeit in Teilen ändert und dass wir mit unserer Arbeit die Demokratie und das Gemeinwesen stärken, wenn wir die Jugend stärken.

Unsere Arbeit reiht sich in die Bemühungen vieler ein, die Schule zu öffnen, zu demokratisieren, das Lernen in Regelschulen aber nicht verwässern zu lassen.

Unser Beitrag soll einer sein, der für eine Bildungspolitik steht, die sich wieder auf mehr Werte in der Bildung und Erziehung besinnt und die ein lebenslanges Lernen  in Verbindung von Anspruch und Freude als Modell exemplarisch erprobt hat.

  • Was sind in diesem Projekt Ihre spezifischen Erfahrungen mit einem Kulturangebot an einer Haupt-, Förder- bzw. Gesamtschule?

Wir haben die Erfahrung einer grundsätzlichen Offenheit unter den Lehrerinnen und Lehrern bemerkt. Und bei den Schülern, die sich für das Projekt entschieden hatten, ein überwiegende reservierte Neugier, die bei etwa 10 Schülern schnell gestillt war. Deshalb sprangen sie nach einigen Arbeitswochen ab.

Insgesamt ist die Bilanz sehr positiv. Ein WIR-Gefühl und ein Stolz auf die jeweilige Leistung war in jeder Gruppe sehr ausgeprägt. Es wäre zu wünschen, dass die Förderung von Projekten der Kulturellen Bildung Ressort übergreifend und nachhaltig aus den Ministerien gefördert werden.

Welche Erfahrungen haben Sie in den begleitenden Werkstätten sammeln können?

Unsere Erfahrung ist, dass man nicht populistischen Forderungen folgen sollte. Es gibt genügend neuere Forschungsergebnisse in den sozialwissenschaftlichen und anderen Bereichen, die indizieren, dass man mit der Jugend anders als bisher umgehen muss und dass es Zeit ist, eine gewissen Bildungsfeindlichkeit und eine Kanonfeindlichkeit aufzubrechen und zu den Werten einer die Gesellschaft zusammenhaltenden Übereinkunft

gemeinsam mit allen Verantwortlichen zurück und nach vorn zu finden.

 

Inwiefern haben die Werkstätten die Entwicklung Ihres Projekts beeinflusst?

Wir haben gelernt, dass das Erlernen von Lebenskunst eben immer durch ein Arbeiten an der Differenz, am Unbekannten erfolgen muss. Dafür braucht es Erwachsene, die sich gemeinsam mit Jugendlichen auf diesen Differenzprozess einlassen. Deshalb kann man allen Künstlerinnen und Künstlern und den Schulkollegen nur danken, dass sie den schwierigeren Weg der Arbeit an einer Hommage von großen Weltkünstlern mit uns mitgegangen sind.

In den Werkstätten der BKJ haben wir gemerkt, dass wir in dem Ansatz, mit dem Welterbe umzugehen, allein standen. Der Erfolg hat uns aber Recht gegeben, so mit der Jugend zu verfahren und ihnen ein Weltkulturerbe nahe zu bringen.

Was uns als Jugendkunstschule wichtig war, dass in den Werkstätten weiter darauf gedrungen wird, die Arbeit und die Erfahrungen im jeweiligen Projekt einer Analyse zu unterziehen. Dies muss im dritten Jahr des Modellprojekts eine große Rolle spielen.

Wie geht es weiter? Gibt es Aussichten auf eine Fortführung?

Bei der Präsentation meinten die Schulleiter nach dem Gespräch mit dem Minister, dies werde positive Auswirkungen auf die weitere Arbeit haben. Ein der Schulen hat gerade den Antrag gestellt, Ganztagsschule werden zu können. Wenn dem Antrag stattgegeben werden wird, stehen in unserer Kooperation auch Gelder zu Verfügung.

4.  Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

In den Richtlinien für den Kinder- und Jugendplan des Bundes ist die Integration von Jugendlichen und Kindern mit Migrationshintergrund als Aufgabe von besonderer Bedeutung der Jugendhilfe verankert. Vor diesem Hintergrund müssen alle Träger zur Umsetzung dieser Querschnittsaufgabe Stellung nehmen.

  • Inwiefern waren Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund an Ihrem Projekt beteiligt?

Wir hatten ein Mädchen in einer Grafikgruppe und eins bei den Tänzern integriert. Im Osten Deutschlands ist das Thema noch nicht so spürbar.

  • Inwiefern haben Sie das Thema „Kulturelle Vielfalt“ in Ihrem Projekt berücksichtigt?

Hier ist diese Projekt geradezu ein Paradebeispiel: Zur Ehrung standen ein deutscher Grafiker, ein chilenischer Dichter und ein griechischer Komponist. So ergab sich bei der Behandlung des „Canto General“ die Auseinandersetzung mit der Geschichte Lateinamerikas, im Tanz und beim Gesang die große musikalische Aufführungspraxis von Mikis Theodorakis, dem griechischen Komponisten, und eben die Behandlung von faschistischen Unmenschlichkeiten in Europa und Chile; dies alles wurde dann auch von Musikern mit migrantischem Hintergrund getragen …

  • Welche konkreten Maßnahmen zur Verbesserung kultureller Teilhabe und Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund konnten Sie durchführen?

Dies ist in Brandenburg noch kein besonderes Thema. Hier leben zu wenige Kinder mit einem solchen Hintergrund-

  • Welche Umsetzungsschwierigkeiten sind hierbei aufgetreten?

entfällt

  1. Schlussfolgerungen

Sind die oben genannten Ziele verwirklicht worden?

Ja, voll und ganz.

 

Welche Konzepte, Methoden und Vorgehensweisen haben sich bewährt?

Die von uns beschrittene ganzheitliche Herangehensweise mit der Beteiligung der Lehrerkonferenzen, dann der Zusammenführung beider Schulen mit den Künstlern in Tanz, Gesang/ Instrumental und Grafik und die freiwillige Beteiligung der Schüler nach einer Informationsphase über alle drei Künstler ( Grieshaber, Neruda, Theodorakis )  in allen Schulklassen von der 7. bis zur 10. Klasse haben sich nach Aussage aller sehr bewährt.

Was war hinderlich für das Projekt, Gab es Stolpersteine?

Es fehlte an Geld, um die Instrumentalisten, ehemalige Ärzte aus der Sowjetunion, wenigstens etwas angemessen bezahlen zu können. Leider wurden unsere Förderanträge bei der Sparkasse und beim Grieshaber e.V. in Reutlingen abgelehnt, so dass wir insgesamt bei der vielen Arbeit zu wenig Geld zur Verfügung hatten, um die Künstler und Helfer in diesem Mammutwerk besser oder überhaupt entlohnen zu können.

Es fehlte auch Geld, um eine bessere technische Ausstattung für den Ton und die Bildübertragung einsetzen zu können.

Gern hätten wir zu einer Arbeit von diesem Rang eine Publikation erstellt.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal von vorne beginnen würden?

In diesem Projekt nichts. Generell wollen wir aber noch mehr Jugendliche in kulturelle Bildungsarbeit  einbeziehen. Aber da muss die Politik besser mitziehen und verlässlicher  und unkomplizierter fördern.

 

Armin Schubert
Projektleitung                        Brandenburg, 15. Juli 2009

Ulrich Neumann                    25.8.2009
Wolfgang Ricken
Schulleiter


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